Vereinsgeschichte der Freiw. Feuerwehr Hambrücken

 

Es war im Jahre 1878, als man sich mit dem Gedanken befasste, in unserer damals noch kleinen Gemeinde eine Vereinigung von Männern zu schaffen, die in der Lage sein sollte, auch einem größeren Feuer wirkungsvoll entgegenzutreten. So wurde also am 1. August 1878 die Freiwillige Feuerwehr Hambrücken gegründet. Am tatkräftigsten bei der Gründung des Vereins setzte sich der damalige Bürgermeister Stark ein. 58 Mann waren es damals, die dem Aufruf des Bürgermeisters folgten. Bekleidet mit weißen Drillichanzügen, die als Uniform dienten, und ausgerüstet mit einer schon vor der Gründung der Wehr vorhandenen Handdruckspritze, ging man mit Eifer und einem unerschütterlichen Willen ans Werk. Durch fleißiges Üben in zahlreichen Proben machte man sich mit dem Feuerlöschwesen vertraut. Ein Beweis dafür, dass die Wehr damals einen Aufschwung erlebte, ist die Anschaffung einer weiteren kleinen Handspritze im Jahre 1886, die zur Ausbildung der jüngeren Mannschaft dringend benötigt wurde. Große und kleine Handdruckspritze sind heute noch im Besitz der Wehr, sie werden verständlicherweise nicht mehr eingesetzt, aber anläßlich besonderer Festlichkeiten noch vorgeführt.

Im Jahre 1894 ging die Wehr in die Hände des tatkräftigen Zimmermeisters Heinrich Kretzler über. In ihm hatte die Wehr damals einen einsatzfreudigen und sicher führenden Kommandanten.15 Jahre lang bekleidete er sein sicherlich nicht immer leichtes Amt.

Der Bürger Johannes Misch löste Heinrich Kretzler im Jahre 1909 als Kommandant der Wehr ab. Dieser verstand es, seine Wehr auf eine so hohe Ausbildungsstufe zu bringen, dass man im Jahre 1910 den Beschluß faßte, bei der damaligen Kreisbrandbehörde des Kreises Bruchsal die Durchführung des Kreisfeuerwehrtages zu beantragen. Dem Antrag wurde stattgegeben und der Kreisfeuerwehrtag am 11.,12. und 13. Juni 1910 in Hambrücken durchgeführt. Während dieser frohen und festlichen Tage wurden den Gästen allerlei Darbietungen und gute Leistungen gezeigt, so dass diese Tage mit Recht als Höhepunkt in die Vereinsgeschichte eingingen und auch zum Ansehen der Gemeinde weit über den Kreis hinaus beitrugen. Auch in den folgenden Jahren wurde die Wehr ständig weiter ausgebaut und ausgebildet.

So begann 1914 der 1. Weltkrieg und auch die meisten Wehrmänner wurden zu den Waffen gerufen. Die Vereinstätigkeit ging infolgedessen mit der Dauer des Krieges mehr und mehr zurück, und auch mehrere Wehrmänner kehrten nicht mehr zurück, sondern fanden ihr Grab in fremder Erde.

Nach Kriegsende nahm die Wehr ihre Tätigkeit im Jahre 1919 wieder auf. Mitten aus dem Neuaufbau der Wehr wurde ihr Kommandant Johannes Misch durch einen tragischen Unfall im Jahre 1921 der Wehr entrissen. Diese schmerzliche Lücke zu schließen, versuchte nun der Schmiedemeister Franz Haaf als neuer Kommandant Auch er verstand es wie sein Vorgänger, die Wehr geschickt zu leiten, auszubauen und emporzuführen. So war es trotz der wirtschaftlichen Notlage nach dem Krieg möglich, im Jahre 1924 eine mechanische Leiter anzuschaffen. Nach zwischenzeitlicher reger Arbeit feierte die Wehr im Jahre 1928 ihr 50 jähriges Stiftungsfest, verbunden mit der Fahnenweihe. Leider ist diese Fahne seit dem Kriegsende 1945 verschwunden und wurde vermutlich „Kriegsbeute".

Schon kurz nach dem Jubiläum kamen nicht nur für unser Volk Krisenjahre, sondern auch auf das Vereinsleben scheint sich die Wirtschaftskrise sehr nachteilig ausgewirkt zu haben. Mit dem Rücktritt des Kommandanten Franz Haaf schien eine Zeit des Rückganges in der Wehr angebrochen zu sein. Die Mannschaft war zahlenmäßig sehr zurückgegangen, und der größte Teil der Männer stand im fortgeschrittenen Alter.

Als „Retter in der Not" und tatkräftiger Feuerwehrmann übernahm damals im Jahre 1931 Schreinermeister Oskar Hartmann die Führung der Wehr. Ihm gelang es, mit Unterstützung durch die Gemeindebehörde durch einen Aufruf 28 junge Männer in die Wehr zu bekommen und diese neu zu beleben.

Leider legte schon 5 Jahre später mitten im Aufbau der Wehr Kommandant Hartmann sein Amt nieder. Nun war es der Sohn des früheren Kommandanten Heinrich Kretzler, Josef Kretzler, der die Geschicke des Vereins in seine Hände nahm. Als Kamerad und Feuerwehrmann hatte er sich bewährt und leitete nun die Wehr mit Unterstützung seiner Männer bis zum Jahre 1942.

Inzwischen war der 2. Weltkrieg ausgebrochen, und mit der Dauer und Schwere des Krieges wuchsen auch die Aufgaben der Wehr. So war der neue Kommandant Michael Köhler, der dieses Amt mitten im „Totalen Krieg" antrat, nicht um seinen Posten zu beneiden. Große Aufgaben hatte er zu bewältigen und die schwersten Zeiten der Wehr hatte er mit seinen nur noch wenigen Leuten in den Jahren des 2. Weltkrieges zu überstehen. Die erste Motorspritze wurde im Jahre 1943 angeschafft. Eine Abteilung von weiblichen Feuerwehrhelferinnen mußten im Jahre 1944 aufgestellt werden, um die einberufenen Männer zu ersetzen. Durch die ständig stattfindenden feindlichen Fliegerangriffe war die Wehr ununterbrochen in Alarmbereitschaft. Sie wurde auch öfters nach auswärts zu Hilfe gerufen.

Nach dem Zusammenbruch 1945 trat in der Wehr wieder ein gewisser Stillstand ein. Im Jahre 1946 rief der damalige kommisarische Bürgermeister Sebastian Misch zur Neuaufstellung der Wehr auf. Auf Anhieb folgten 40 Männer, davon eine stattliche Anzahl noch sehr junger Leute, diesem Aufruf. Unter dem neuen Kommandanten, Maurermeister Karl Debatin, begann der Neuaufbau. Die Wehr wurde der Zeit entsprechend modernisiert und ausgebaut. In Debatins Amtszeit fällt auch die Gründung des Spielmannszugs 1951. Eine stattliche Anzahl junger Wehrmanner übte nun fleißig, um moglichst bald als Spielmannszugskapelle in der Öffentlichkeit auftreten zu können. Aber auch im Löschwesen wurde fleißig geübt, so dass man sich in beiden Disziplinen mit benachbarten Wehren messen konnte und dabei einen angemessenen Leistungsstand zeigte.

Im Jahre 1954 mußte Kommandant Karl Debatin aus gesundheitlichen Gründen die Führung der Wehr seinem Nachfolger Lorenz Drexler übergeben. Dieser neue Kommandant sah sich bald vor der Bewältigung großer Aufgaben gestellt:

Zunächst beging der Verein an Pfingsten 1954 das 75 jährige Vereinsjubiläum. Ein gerüttelt Maß an Vorbereitungen mußte bewältigt werden, um dieses Fest zu aller Zufriedenheit zu gestalten. Zwischenzeitlich war auch die Anschaffung einer neuen Motorspritze notwendig geworden. Mit Hilfe der stets verständisvollen Gemeindeverwaltung konnte diese Anschaffung noch 1954 getätigt werden. Dazu kamen noch ein Handwagen für die neue Motorspritze, Schnellkupplungsrohre und neues Schlauchmaterial. Kaum waren diese Engpässe beseitigt, tauchte ein neues Problem auf. Der Bau eines neuen Feuerwehrgerätehauses. Bis 1960 waren die Geräte in einem kleinen Haus zwischen „Grüner Baum" und ehemaligem Farrenstall mehr schlecht als recht untergebracht. Ein größeres Gerätehaus war daher dringend notwendig.

Der Ankauf und Ausbau eines Anwesens in der Wiesenstraße von der Gemeindeverwaltung wurde im Jahre 1960 vollzogen. (Heute nach Umbau Heim der DRK-Ortspruppe Hambrücken.)

Einen markanten Punkt in der Vereinsgeschichte der Feuerwehr stellte das Jahr 1965 dar, als man sich mit dem „Zivilen Bevölkerungsschutz" zusammenschloß. Ziel dieses Zusammenschlusses war es, die Arbeit im Brandschutz gemeinsam zu meistern. Bei der Ausbildung durch die Freiwillige Feuerwehr sowie bei der Benutzung ZB eigener Fahrzeuge für den Bedarf der Wehr ergab sich bisher eine gute Zusammenarbeit.

Nach erfolgreichem Wirken und 12 jähriger Amtszeit übergab im Jahre 1966 Kommandant Lorenz Drexler sein Amt dem bisherigen Gruppenführer Florian Köhler. Ihm folgte im Jahre 1967 Kamerad Josef Rupp auf dem Kommandantenposten. Er wurde für 5 Jahre gewählt.

Vom 31.08. bis 01.09.1968 konnte die Wehr das 90 jährige Stiftungsfest feiern. Während Rupp's Amtszeit wurde die Wehr weiter ausgebildet und auf einen Stand gebracht, der überall Beachtung fand. Auch bei der Gründung des Fanfarenzuges war Josef Rupp maßgeblich beteiligt.

Im August 1971 stellte Josef Rupp sein Amt als Kommandant zur Verfügung, sein vorläufigere Nachfolger bis zur Generalversammlung im kommenden Jahr wurde Plattenlegermeister Hubert Krämer, der dann zunächst auf drei und 1975 auf weitere 5 Jahre zum Kommandanten gewählt wurde. Bald nach Beginn seiner Tätigkeit konnte die Wehr zwei große Erfolge verzeichnen: Am 09.10.1971 erwarben sich zwei Gruppen der Wehr in Etzenrot und ein Jahr später eine weitere Gruppe in Rheinsheim das Baden-Württembergische Feuerwehrleistungsabzeichen in Bronze. Damit hatte die Wehr bewiesen, dass sie jederzeit in der Lage ist, sich mit den Wehren der näheren und weiteren Umgebung zu messen, ein Erfolg, auf den die ganze Wehr stolz sein konnte.

Zu diesem hohen Leistungsstand der Wehr kam nun auch noch eine wirksame Verbesserung in Ausrüstung und Unterbringung: Im Dezember 1973 erhielt die Wehr ein Löschgruppenfahrzeug LF 16 mit 1.600 Liter Tank, das die Wirkung der Wehr im Einsatz entscheidend verbesserte. Da dieses Fahrzeug im Winter in einer geheizten Halle untergebracht werden muß und außerdem die räumlichen Verhältnisse im Feuerwehrhaus an der Wiesenstraße unerträglich geworden waren, entschloß sich die Gemeinde auf Antrag der Wehr zum Bau eines modernen Feuerwehrhauses. Es entstand an der Hauptstraße auf dem Gelände der ehemaligen Gaststätte zum „Schwanen"' das die Gemeinde käuflich erwarb, und konnte im Dezember 1977 bezogen werden. In ihm sind das Löschgruppenfahrzeug der Wehr und die beiden Fahrzeuge des Zivilen Bevölkerungsschutzes untergebracht. Über den Fahrzeughallen befinden sich zwei moderne Unterrichtsräume und im 2. Obergeschoß ein großer Vereinsraum.

Eigentlich konnte die Wehr bereits im Jahre 1978 auf ihr 100 jähriges Bestehen zurückblicken. Da im selben Jahr auch der hiesige Musikverein sein 100 jähriges Jubiläum beging, wurde die Feier um 1 Jahr verschoben.

Ein bedeutender Schritt in Richtung Modernisierung der Wehr vollzog sich 1979 mit der Umstellung auf „stille Alarmierung". Der erforderlich gewordene Erweiterungsbau des Feuerwehrhauses wurde 1983 fertiggestellt. Dadurch konnte der von der Feuerwehr lang gehegte Wunsch nach einem Mannschaftstransportfahrzeug endlich in Erfüllung gehen. Das Fahrzeug wurde im Mai 1984 der Feuerwehr offiziell übergeben. Gleichzeitig mit der Übergabe wurde auch die noch ausstehende Einweihung des Feuerwehrhauses vorgenommen.

Durch die Beschaffung des Mannschaftstransportfahrzeuges konnte jetzt auch dem Wunsch nach einer Rettungsschere entsprochen werden. Diese wurde 1986 gekauft.

Im Jahre 1987 übernahm die Gemeinde vom Katastrophenschutz den Schlauchkraftwagen vom Typ SKW 2000. Dieser wurde von der Wehr in Eigenarbeit vollständig wieder instandgesetzt. Das Fahrzeug stand der Wehr als SW 1000 zur Verfügung. Im Jahr 1995 wurde das mittlerweile 31 Jahre alte Feuerwehrfahrzeug ausgemustert und nach Krefeld verkauft.

Mit der Gründung der Jugendwehr am           19. August 1981 wurde ein weiteres Kapitel in der Feuerwehrgeschichte aufgeschlagen. Jugendwart wurde Rudi Bauman, der die       13 Jugendlichen zusammen mit den Kameraden Sebald Kretzler, Bernd Krämer und Egon Riedelbauch ausbildete. Bis heute konnten aus der Jugendwehr mittlerweile etliche Jugendliche in die aktive Wehr übernommen worden. Den hohen Ausbildungsstand der Wehr zeigen die Auszeichnungen, die bei Vergleichsübungen im Kreis errungen wurden. Eine Gruppe der Wehr erwarb am 06.10.79 in Rheinsheim das Feuerwehrleistungsabzeichen in Bronze, Silber errang diese Gruppe ein Jahr später am 27. Juli 1980 in Bretten.

Im Jahre 1984 beteiligten sich wieder zwei Gruppen an den Leistungsübungen, welche in Sulzfeld stattfanden. Dabei konnte erstmals eine Gruppe der Feuerwehr Hambrücken das Leistungsabzeichen in Gold erringen, die 2. Gruppe errang Silber – ein weiteres Indiz für den hohen Ausbildungsstand der Feuerwehr.

1988 konnte die Feuerwehr Hambrücken ihr 110-jähriges Bestehen feiern.

Im Jahr 1991 wurde dem Katastrophenschutz Hambrücken ein weiteres Löschfahrzeug zur Verfügung gestellt, welches auch der Feuerwehr uneingeschränkt zur Verfügung steht.

Im Spätjahr 1993 wurde das Feuerwehrhaus erneut in Eigenarbeit baulich aufgewertet. Die beiden Schulungsräume erhielten einen Durchgang mit Verbindungstür, eine Küche wurde eingerichtet und Wirtschaftmöglichkeiten geschaffen.

Trotz „Umbaustress“ konnte auch das gute Niveau bei den Leistungsübungen gehalten werden und im Juni 1994 absolvierte eine Gruppe in Sulzfeld wieder einmal das Leistungsabzeichen in Silber. Getoppt werden konnte dieser schöne Erfolg im Juni 1995, als sich neun Kameraden dem Schiedsrichterteam des Feuerwehrverbandes stellte, um als erste Mannschaft der FFW Hambrücken das Leistungsabzeichen in Gold nach den neuen Richtlinien zu absolvieren. Mit Souveränität und Fachkenntnis meisterten sie die ihnen gestellten Aufgaben und die gesamte Wehr feierte gebührend ihre „Goldjungs“. Bei der Jahreshauptversammlung im Januar 1993 stellte erster Kommandant Hubert Krämer altershalber sein Amt zur Verfügung, nachdem er seit dem Jahre 1971 die Geschicke der Feuerwehr mit viel Fleiß und Erfolg geleitet hatte. Bürgermeister August Böser bedauerte seinerzeit, dass eine ausgezeichnete Verbindung zum Rathaus zu Ende geht und ein Mann den Hut nimmt der es verstanden hat, seine Mannschaft zusammenzuhalten. Hubert Krämer wurde in derselben Versammlung zum Ehrenkommandanten ernannt. Als Nachfolger wurde Alfred Kretzler gewählt, welcher die Wehr ins Jahr des 125-jährigen Bestehens führen darf.

Ein schwerer Schlag war es dann für alle Feuerwehrmitglieder, als sie am 24. September 1997 die Todesnachricht von Ehrenkommandant Hubert Krämer erreichte. Dieser war im Alter von 62 Jahren überraschend gestorben.

Im Jahr 1996 beschloss der örtliche Gemeinderat zum vorhandenen Tanklöschfahrzeug LF 16/1600 und einem Mannschaftstransportfahrzeug ein drittes Feuerwehrauto zu beschaffen. Ein Rüstwagen RW 1 sollte es sein, in welchem vor allem für den Einsatz notwendige Gerätschaften wie beispielsweise eine Seilwinde, Hebekissen oder hydraulische Rettungsschere mitgeführt werden können. Das neue Fahrzeug konnte schließlich im Oktober 1997 im Rahmen eines Tages der offenen Tür beim Feuerwehrhaus eingeweiht werden. Bürgermeister August Böser übergab den Fahrzeugschlüssel im Beisein von Kreisbrandmeister Thomas Hauck an Kommandant Alfred Kretzler und Pfarrer Reinhold Klein segnete das Fahrzeug ein. In zahlreichen Monaten zuvor hatten die Feuerwehrkameraden in 1500 Stunden Eigenarbeit ein fahrbares Notstromaggregat gebaut. Kernstück der Eigenkreation ist dabei ein 60 KVA starkes Aggregat, welches einst im Hambrücker Hebewerk III seine Dienste tat. Das Gerät dient mittlerweile der Ausleuchtung von Unfallstellen und besitzt heutzutage einen Marktwert von ca. 50.000 Euro.

Wie abwechslungsreich der Alltag eines Feuerwehrmannes sein kann bewies beispielsweise ein Einsatz im November 2001, als Mitglieder des Musikvereins bei Renovierungsarbeiten im Gebäude Wiesenstraße 1 ein undefinierbares Kampfmittel fanden. Die Feuerwehr musste das Umfeld des Fundortes absichern und die kompetenten Polizeiexperten hinzuziehen. Der Kampfmittelräumdienst entsorgte schließlich die Carbonitbombe, welche vermutlich noch aus dem ersten Weltkrieg stammte.

Abermals um den Fuhrpark der Feuerwehr ging es in der Maisitzung des Gemeinderates im Jahr 2001. Dort fiel der Grundsatzbeschluss, das gemeindeeigene Tanklöschfahrzeug auszumustern und ein neues LF 16/12 zu beschaffen. Das mittlerweile 28 Jahre alte Fahrzeug wies erhebliche Mängel auf, so dass sich unter dem Strich gesehen eine Instandsetzung nicht mehr lohnt. Ein Prüfbericht des TÜV Süddeutschland verschärfte die Situation dahingehend, dass das Fahrzeug dem Grunde nach gar nicht mehr einsatzbereit ist und für eine schlagkräftige Brandverhütung in der Gemeinde nicht mehr ausreicht. Der Beschaffungsprozess des neuen Fahrzeuges wurde deshalb Ende 2002 nochmals beschleunigt, so dass nun mit der Lieferung rechtzeitig zu den Jubiläumsfeierlichkeiten im Jahr 2003 gerechnet werden darf.

Im Juni 2003 war es dann endlich soweit. Anlässlich des 125jährigen Jubiläums unserer Wehr wurde das neue Löschgruppenfahrzeug LF 16/12 der Firma IVECO/Magirus feierlich eingeweiht und seiner offiziellen Bestimmung übergeben. Zu den weiteren Höhepunkten der Jubiläumsfeierlichkeiten zählten der große Zapfenstreich am Samstagabend unter Mitwirkung des Fanfarenzugs der Feuerwehr Heidelsheim und des Musikvereins Hambrücken. Ferner der Festumzug am Sonntag bei den tropischen Temperaturen des Ausnahmesommers 2003. Von nennenswerten Einsätzen blieb die Wehr im Jahr 2003 Gott sei Dank verschont.

Dafür kam es 2004 umso dicker. Bei dem Reifenhersteller Good Year in Philippsburg war ein Großbrand ausgebrochen, welcher den Wehren des Umkreises teilweise alles abverlangte. Zeitweise waren bis zu 500 Feuerwehrleute mit rund 100 Fahrzeugen im Einsatz. Kurz nach 3:00 Uhr war am Mittwoch dem 10. März das Feuer in einem etwa 2000 qm großen Zwischenlager der Reifenfabrik Good Year ausgebrochen. Aufgrund der erheblichen Brandausdehnung wurden rasch weitere Feuerwehreinheiten aus dem gesamten Landkreis Karlsruhe angefordert. So wurden auch wir um 4:53 Uhr alarmiert. Unsere Aufgabe war zunächst eine Riegelstellung zur Sicherung der Produktion, des Wareneingangs, sowie zur Kühlung dreier Gefahrguttanks bereitzustellen. Später wurden noch drei Atemschutztrupps zum Innenangriff herangezogen.

Um dem enormen Bedarf an Löschwasser sicher zu stellen, wurden um 8:45 Uhr unter anderem auch weitere Einsatzkräfte aus Hambrücken mit den beiden Löschgruppenfahrzeugen des Katastrophenschutzes alarmiert. Zusammen mit dem LF16/12 förderte die Hambrücker Feuerwehr zeitweise nahezu 5000 l Löschwasser in der Minute. Um kurz vor 21:00 Uhr nach 12 bzw. 16 Stunden Einsatz war für die Hambrücker Wehr der Einsatz fürs erste zu Ende. Am Donnerstagnachmittag um 11:45 Uhr wurde die Wehr aus Hambrücken abermals zum Reifenwerk gerufen. Diesmal rückten 9 Wehrleute und ein Löschgruppenfahrzeug aus, um die Kameraden und Kameradinnen der Wehren abzulösen, welche seit den frühen Morgenstunden mit dem Ablöschen der restlichen Glut und Brandnester beschäftigt waren. Die neun Feuerwehrleute wurden gegen 22:00 Uhr aus den eigenen Reihen abgelöst. Diese Ablösung war bis Freitagmorgen um 6:00 Uhr Vorort. Insgesamt war die Hambrücker Wehr bei diesem Großeinsatz rund 34 Stunden im Einsatz.

Für das Jahr 2004 ist noch zu verzeichnen, dass Bürgermeister August Böser nach zwei Amtsperioden nicht mehr kandidierte und bei seiner Verabschiedung am 25. Juni von der Feuerwehr für seine Verdienste zum Ehrenmitglied ernannt wurde. Zu seinem Nachfolger wählten die Hambrücker Bürgerinnen und Bürger den bisherigen Hauptamtsleiter Thomas Ackermann.

Auch in der Feuerwehr fand zu Beginn des Jahres 2005 ein Führungswechsel statt. Kommandant Alfred Kretzler verzichtete nach 12 Jahren Führungstätigkeit ebenfalls auf eine erneute Kandidatur. Zu seinem Nachfolger wählten die aktiven Feuerwehrleute Kamerad Klaus Scheuermann. Die Wahl des stellvertretenden Kommandanten fiel auf Markus Moritz. Für seine Verdienste um die Hambrücker Wehr wurde Alfred Kretzler zum Ehrenkommandanten ernannt.

Im Jahre 2005 wurden auch die Weichen für ein neues Mannschaftstransportfahrzeugs gestellt, welches nach 25 Jahren seinen Geist aufgegeben hatte und wenn überhaupt nur mit großem finanziellen Aufwand wieder hätte fahrbereit gemacht werden können. Dank einer großzügigen Spende des Badischen Gemeindeversicherungsverbandes in Höhe von 10.000 € sprach sich der Gemeinderat für eine Neubeschaffung aus.

Das Jahr 2006 sollte eines der arbeitsreichsten und aufregendsten Jahre in der Geschichte der Feuerwehr Hambrücken werden. Vom 10. bis 11. März 2006 fand in der Lußhardthalle die Jugend- und Kommandantendienstversammlung des Landkreises Karlsruhe sowie die Verbands-versammlung des Kreisfeuerwehrverbandes Karlsruhe statt.

Am Samstag den 8. April hatte man alles für die Einweihung des zwischenzeitlich angelieferten neuen Mannschaftstransportwagens hergerichtet. Dazu sollte es jedoch an diesem Tag nicht kommen. Kurz vor Beginn der Feierlichkeiten am Samstagnachmittag war in der Scheune des Anwesens Hauptstraße 114 ein Feuer ausgebrochen. Infolge einer Durchzündung brannte die Scheune beim Eintreffen der Feuerwehr nach wenigen Minuten bereits in voller Ausdehnung. Sofort wurde mit mehreren Strahlrohren dafür gesorgt, dass das Feuer nicht auf das angrenzende Wohngebäude und die angrenzende Scheune übergreifen konnte. Da die eigenen Kräfte nicht ausreichten, forderte Kommandant Klaus Scheuermann die Wehren aus Ubstadt-Weiher, Waghäusel mit der Drehleiter, Forst und Karlsdorf-Neuthard mit der Wärmebildkamera an. Durch den massiven Einsatz von zeitweise mehr als 10 B- und C-Rohren gelang es nicht nur das direkt angrenzende Wohnhaus zu schützen, sondern auch die bereits in Brand geratene Nachbarscheune zu erhalten. Ein Heizöltank, der sich in der brennenden Scheune befand, war geschmolzen und das auslaufende Öl ebenfalls in Brand geraten. Mit Hilfe eines Schaumrohres konnte das brennende Heizöl jedoch in kurzer Zeit gelöscht werden. Die Scheune des Anwesens Hauptstr. 114 brannte jedoch bis auf die Grundmauern nieder. Die Nachlöscharbeiten zogen sich noch bis zum Sonntagnachmittag hin.

Die Einweihung des neuen Mannschaftstransportfahrzeuges wurde am Sonntag den 2. Juli 2006 anlässlich des 25jährigen Jubiläumsfestes der Hambrücker Jugendfeuerwehr in der Lußhardthalle nachgeholt. Anlässlich des 25jährigen Bestehens der Jugendfeuerwehr fand an diesem Tag ein Pokalwettkampf der Jugendfeuerwehren des Landkreises Karlsruhe statt, bei dem die Jugendlichen ihr Geschick beim Umgang mit feuerwehrtechnischen Geräten unter Beweis stellen konnten.

Ein weiterer denkwürdiger Einsatz stand am 22. Juli 2006 an. „Tornado über Hambrücken“ hieß es in den Nachrichtensendungen des gesamten Bundesgebietes. Bäume liegen auf der Straße, Straßenlaternen knicken um wie Streichhölzer, Ziegel werden von den Dächern gerissen, Hagel und Regen schlägt mit einem tosenden Wind gegen die Fensterscheiben. Spielgeräte und Fahrräder werden durch die Luft gewirbelt. Dies alles trug sich an diesem Tag in unserer Gemeinde zu. Der Tornado zog von Nordwest nach Südwest eine rund 800 m breite Schneise durch unseren Ort. Dabei wurden zahlreiche Dächer abgedeckt und allein im Wohngebiet 16 Bäume entwurzelt. Die Hambrücker Grillhütte wurde von den umstürzenden Bäumen stark beschädigt. Da unsere Kräfte nicht ausreichten mussten die Drehleiterfahrzeuge aus Bruchsal, Linkenheim-Hochstetten, Wiesental sowie der Teleskopmast der Feuerwehr Eggenstein-Leopoldshafen angefordert werden. Auch die Kameraden aus Forst und Graben-Neudorf waren zur Mithilfe im Einsatz. Man kann nur hoffen, dass sich solches nicht jedes Jahr wiederholt.

Mit   42 aktiven Mitgliedern, einer 10-köpfigen Altersmannschaft unter Obmann Josef Kraus und 14 Jugendlichen unter Jugendleiter Jörg Kretzler verfügt die Gemeinde Hambrücken über eine schlagkräftige Wehr. In Verbindung mit der guten technischen Ausrüstung darf man voll Zuversicht in die Zukunft der Freiwilligen Feuerwehr Hambrücken blicken und um die Sicherheit der Bevölkerung Hambrückens braucht einem nicht bange zu sein.

 

 

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